MEINE WELT ALS TATTOO LEHRLINGJa, wir haben einen Lehrling gefunden. Es hat seine Zeit gedauert, bis sich jemand gemeldet hat, der uns geeignet scheint. Mit Mirjam haben wir eine Vertreterin der nächsten Genaration gefunden. Die Jungen Leute sind die Zukunft des Tätowierens und die Zukunft sieht vielversprechend aus!
Hier die Berichte von Mirjam Viel Spass beim Lesen und bis bald: Orlando
Arbeiten unter erschwerten Bedingungen Nun war es so weit: Die Küche wurde umgebaut! Am Anfang der Woche waren die Elektriker da, es folgte der D-Zug Maler und schliesslich die Küchenbauer. Das Studio Putzen am Mittwoch war wie Tetris spielen mit Kleidern, Kisten Nadelbehältnissen und Tubesschachteln. War ein Raum getan, hiess es gescheit umbeigen… Zumindest war das „Gescheit“ das Ziel. Der Kopierer und die Stencilmaschine wurden kurzerhand aus der Küche verbannt und in den Gang gestellt. Prompt rannte ich für jede Kopie und jedes Stencil zuerst einmal in die leere Küche. Nun ist aber mehr oder weniger alles fertig und einräum bereit, zum Glück. Zeichnerisch gab es letzte Woche die zwei obligatorischen Schriften, einige Anpassungen, mein erstes komplettes Kunden-Informations-Abmachgespräch und eine elektrisierte Katze zu tun. Eine geladene Woche also. Bis Bald, lg Mirjam 17.1.12

Zerreissen, zerbeissen, zerdrücken, zerpflücken!Das war das Motto an meinem ersten Arbeitstag im Jahr 2012. Grund dafür: Die Küche, a.k.a Reinigungs-/Hygienezimmer (dort, wo alles geschrubbt wird), wird renoviert, respektive, eine Wand wird mit Schränken zugebaut. Das hiess für uns: Alles sortieren und um-/ausräumen, die Wandregale abschrauben und zum Schluss schliesslich noch die Holzvertäfelung, welche mir so ca. bis Augenhöhe reichte, rausreissen. Letzteres hat mir, wie der Titel schon verrät, besonders Spass gemacht, obwohl sich die Vertäfelung mit Händen und Füssen, oder in diesem Falle eher mit altem Staub (Gesundheit!) und Spiessen gegen ihre Abholzung gewehrt hat. Dank einer modernen Erfindung namens Staubsauger blieb ihr allerdings keine andere Wahl als zu kapitulieren. Gezeichnet wurde natürlich auch, eine Tribalergänzung war angesagt, dafür gab es Ende Woche aber auch noch zwei Fischchen mit Kirschblüten zu kreieren, welche sehr Spass machten zu zeichnen. Gut glubsch und bis nächste Woche. Lg Mirjam 11.Jan. 2012
SturmfreiIm wahrsten Sinne des Wortes! Denn in Basel hatten die Rudolf Steinerschulen wegen Sturm und Unwetter geschlossen, genauso wie die Basler Kindergärten. Das mit den Kindergärten kann ich verstehe, denn mich hat es schon beinahe am Studio vorbeigeweht. Hätte ich meinen (mehr oder weniger nutzlosen) Schirm um 10 Winkelgrade mehr nach hinten geneigt, hätte ich Mary Poppins spielen können. Auch im Studio selbst hat es gestürmt, allerdings nur im sprichwörtlichen Sinne. Viele, viele Kunden möchten halt noch in diesem Jahr ihr Tattoo kriegen, und da diese Jahr für unser Studio nur noch aus nächster Woche besteht, ist das nicht wirklich machbar. Gerade letzten Samstag, den letzten Samstag dieses Jahres, hat es Kunden geschneit, passend wieder zum Wetter draussen, obwohl der Schnee ja schon mager war, aber immerhin… Zeichnerisch schwankte ich wieder einmal zwischen Schriften und Lilien hin und her, mal abgewechselt von einem Blumenränkli. Dafür ist meine Hausaufgabe (Drachenstudium) umso abwechslungsreicher. Ich wünsche Euch allen eine frohe Weihnacht, einen tollen Silvester und ein gutes neues Bloggerjahr. Lg Mirjam 22.12.11
Vom Bengelchen zum Engelchen… oder so Letzte Woche durfte ich an einer erstaunlichen Verwandlung teilhaben, die da wäre: Die Verwandlung eines Durchschnittstattoolehrlings zu einem Engel. Nur mal um was klarzustellen; die Verwandlung fand auf einem Blatt Papier, respektive auf dem Tablet statt. Orlando zeichnete nämlich ein Engelsmotiv, wo er mich als Modell fotografierte und dann so lange abänderte und anpasste, bis ein Tattoomotiv daraus entstanden war. Wohl gemerkt, das Ziel hier war nicht, dass schlussendlich ich der Engel sei, sondern dass ich als Vorlage für Pose und Haltung diente. Diesen Vorgang zu beobachten war faszinierend. Zu sehen, wie und was man alles aus einem Foto rausholen kann ist immer wieder besonders spannend, gerade weil man den Eindruck haben könnte, es sei einfach. Ist es nicht, denn man muss ganz genau wissen, wie, was und wo man etwas ändert/ ansetzt/ weglässt. Mich mal anders, das war cool, so rein theoretisch, nur auf dem Papier. Ich bleibe aber trotzdem meiner Lieblingsfarbe treu. Lg und bis bald Mirjam 15.12.2011

Von Mützchen und erhobenen Daumen Im Coop gibt es seit neustem bemützte Fruchtsäfte zu kaufen, sich ab 18 tätowieren lassen ist trotzdem noch Sache der Eltern, im Kino läuft der dritte und zweitletzte Teil der „Twilight“ Vampirromanze, der Weihnachtsmarkt in Basel ist in vollem Gange und am Samstag kurvten bunt geschmückte Harley-Töffs mit Samichläusen drauf durch bereits erwähntes Basel… Um nur mal einige der Ereignisse der vergangenen Woche zu nennen. Ganz nebenbei wurde auch noch gearbeitet, beraten und Motive verkauft. Die obligatorische Schrift war dabei, dazu kam eine Beratung, wo der eigentliche Kunde sich von seiner Mutter vertreten liess und beinahe nur physisch anwesend war. Das Gespräch habe ich dank der Schule leider verpasst. Die Woche war, vom Standpunkt der von mir zu zeichnenden Motive gesehen, recht herzig. Gleich zwei Motive mit, um und über Herzen durfte ich zeichnen. Das eine… nein, beide mit Schrift dazu. Und obwohl ich wieder einmal viel zu lange dafür gebraucht habe, gab’s vom Chef eine kleine „Daumen-Hoch“ Skizze am Rand des einen Motivs. So viel Liebe, Freude und Ereignisse, das setzt doch glatt dem Bleistiftspitzer das Mützchen auf! Bis nächste Woche. Lg Mirjam 6.Dez. 2010

Assoziationen und TattoosLetzten Samstag stand ich wieder einmal vor einem alten Bekannten; das Vorlagenproblem. Nämlich hatte ich wieder einmal eine nicht so ausgereifte Vorlage des Kunden und wusste nicht, was man gescheites damit anfangen kann. Daher forderte mich Orlando auf, der Vorlage „auf den Grund zu gehen“. Das heisst; was will der Kunde wirklich, warum findet er gerade dieses Motiv und diese Art der Vorlage gut? Wenn man diese Fragen beantworten kann und somit den Hintergrund versteht, ist die Vorlage im Grunde gar nicht mehr so wichtig, da man sich dann auf das Wesentliche konzentrieren kann und trotz der eigenen Version den Wunsch und Geschmack des Kunden „tüpft“. Tätowierungen sind eine Bildsprache. Unser Auftrag ist es, den Wunsch des Kunden zu erfassen und in ein Tattoomotiv zu „übersetzen“. Um das zu können, muss man die Vorlage und den Wunsch dahinter erkennen. Was assoziiert der Kunde damit, oder um es am Beispiel Sprachen zu zeigen, was ist der Kontext? Was steht zwischen den Zeilen? Und dann geht es darum, dieses Wissen umzusetzen und ein gutes Motiv daraus zu machen. Und nun völlig aus dem Kontext: Ich durfte letzte Woche auch eine Sonnenblume zeichnen, das fand ich toll! Lg Mirjam 29.11.10

Von Steinen und anderen BauplänenEine (Vor)Zeigewoche war die letzte Woche gewesen. Oder eine Lehrlingswoche, wohlgemerkt, dass im Wort „Lehrling“ ja „Lehren“, also Lernen drinsteckt. Also eine Lernwoche, wo es sehr viel zu lernen gab. Sprich, Orlando hat sich viel Zeit und Geduld für mich genommen. Angefangen mit dem Erschaffen eines tollen 3D Baslerstabs aus Stein (Marmorstruktur, Risse etc., was halt so zu einem Stein dazugehört) plus roter, sich um den Stein windender Echse, und aufgehört bei Drachen. Das Thema Drachen hatten wir ja schon mal. Nun hatte sich Orlando wie gesagt viel Zeit für mich genommen und mit mir die Thematik Drachen nochmals angeschaut, diesmal aber um einiges tiefer und mit mehr Nachdruck. So bestand die vergangene Woche für mich darin, aus einer Vorlage eines tollen japanischen Drachens die Proportionen abzumessen und einen „Bauplan“ nach der Vorlage zu erstellen. Dies klingt, wie so vieles, simpel und ist in Wirklichkeit, wie fast alles, gar nicht einfach. Das Geheimnis ist das Mitdenken und Planen, was mir noch fehlt. Daher war und ist es für mich eine schwierige Übung, die mich allerdings fasziniert. Und das war erst der Anfang… Lg Mirjam 15.Oktober 2011

Starke Männer brauchen starke Tattoos Oder vom (noch nicht vorhandenen) Mitdenken des Lehrlings. Denn letzte Woche lautete der Auftrag: Bambuspflanze im Tribalstil zeichnen, welche auf männliche Wade soll. Ich zeichne also drauf los, schön Blättchen für Blättchen, alles wunderbar, beende schliesslich die Zeichnung und zeige sie Orlando. Dieser meint nur: „Viel zu fein für einen Mann und für die Wade!“ Also beginnt der Tanz nochmals von vorne, diesmal mit weniger und vor allem grösseren Blättern. Am Schluss wurden dem Kunden beide Versionen vorgelegt und prompt wollte er die „gröbere“ von beiden. Da hat der Lehrling wieder etwas dazu gelernt; Männer mögen’s kräftig. Und vor allem sollten Wadentattoos besonders gut erkennbar sein, da sie ja weit weg vom Auge des Betrachters sind. Lustigerweise bekam ich gerade für diese Zeichnung mein erstes Trinkgeld. Also dann, bis bald. lg Mirjam 8.11.2011

Eine kulinarische Woche Letzte Woche hatten wir das Geschäftsweihnachtsessen. Ein Bisschen früh, mögt ihr vielleicht denken, doch mal ehrlich, wer will schon im Dezember ein Weihnachtsessen veranstalten, wo alle Firmen und Geschäfte dies auch tun und daher das Lieblingsrestaurant bereits total ausgebucht ist und man, wenn’s dumm kommt, auf die zweite, ebenfalls überfüllte Wahl ausweichen muss. Unser Abend war erste Sahne, welche es auch auf meinem Schoggikuchen hatte, der wiederum so schmeckte. Vom Brötli bis zum Fleisch, von der hausgemachten Pasta bis zu der Morchelsauce, es war einfach alles perfekt… und vor Allem reichlich! Da passte am Schluss nicht einmal mehr ein Espresso rein. Dies war der erste kulinarische Höhepunkt der letzten Woche. Der zweite folgte gestern, als ich bei Bekannten in Graubünden vom Hausherrn selbst erlegten und zubereiteten Hirsch essen durfte. Ein Stück Wildlife aus dem Römertopf und das Geweih an der Wand. Sicher nichts für zarte Gemüter, doch geschmeckt hat es prima. Bis nächste Woche, lg Mirjam Kalte Zeiten Der Sommer ist nun definitiv vorbei! Das sehen langsam aber sicher auch die eingefleischten Ballerinas-/ und Sandalenträger ein. Ebenso weichen die leichten Sommerjäggli bereits Schal, Mütze und Mantel. Wenn jetzt die Kunden, wie meistens, zu früh vor der Tür stehen, kann man sie nun nicht mehr draussen warten lassen, bis es Zeit ist, denn kollektives Zaudern und Zähne Klappern ist einem sauberen Tattoo nicht förderlich. Für mich als „Dauergfrörli“ kommen nun wieder besonders harte Zeiten daher. Da würde ich manchmal am liebsten sogar meinem Bleistift Mützchen und Schal verpassen und ihn „Dr. Heat“ nennen. Und trotzdem sind Herbst und Winter meine Lieblingsjahreszeiten. Die Herbstfarben finde ich einfach wunderbar, ich mag das Rascheln des Laubes unter meinen Füssen, wenn ich Spaziergänge unternehme und im Winter hebt sich meine Kleidung so schön vom Schnee ab. Also, „Gfrörli“ hin oder her, tolle Jahreszeiten, wirklich. Und falls man mal doch in eine Herbst-/Winter Melancholie verfällt, braucht man nur in den Coop/ Migros zu gehen, da stehen schon seit zwei Wochen Adventskalender und Weihnachtsschöggeli parat. Ist das nicht allerliebst? Lg Mirjam 25. Oktober 2011

Der Ränkli-Wahn Von Trends wie unter Anderem Schriften und Tribals hatten wir’s ja schon mehr als genug. Nun hat Orlando einmal das Wort „Ränkli-Wahn“ fallen lassen was mich veranlasste, einmal meinen Motivordner durchzusehen. Und tatsächlich: Ränkli, soweit das Auge reicht, kombiniert mit Blüten, Namen, Würfeln, Schmetterlingen, und noch mehr Blüten. Die Kunden betonen den Wunsch nach Ränkli, wobei man bei der Beratung am Anfang beinahe fragen könnte: „Hätten sie gerne eine Blüte und etwas Ränkli oder doch lieber Ränkli mit etwas Blüte?“ Wobei, die Kombination Blüte/Ränkli ist ja nicht einmal so weit hergeholt, da man sie als eine Art Stilisierung des Stängels und der Blätter sehen kann. Doch bei anderen Gegenständen sind sie zur allgemein beliebten Hintergrundzugabe geworden. Wo früher ein Tribal hinter die Rose geklemmt werden musste, müssen heute die Ränkli dran glauben. Genau genommen sind Ränkli ja auch eine Art Tribals, bloss in einer, nennen wir es „weicheren“ Ausführung. Zum Schluss noch ein Zitat, allerdings in leichter Abwandlung, aus einem Lied des allgemein bekannten Komikers Peach Weber: „Überall het’s Ränkli dra, Ränkli dra, Ränkli dra!“ Bis nächstes Mal. Lg Mirjam 19. Okt. 2011

Allgemeines Nasenschnuddern Er ist da, in vollem Nebel und der ersten Erkältungswelle; der Herbst. Sabine und mich hat es gleich beide erwischt, daher war diese Woche Stereohusten angesagt. Eigentlich ist dies kein Wunder, denn einige Kunden kommen trotz Warnung und inniger Bitte, bei einer Erkältung den Termin zu verschieben, trotzdem hustend und niesend bei uns an. Da hilft auch alles Türfallen-desinfizieren nichts mehr. Doch eigentlich brauche ich da gar keine grossen Töne zu spucken, respektive husten, denn genauso gut könnte ich den „Übeltäter“ sein, denn ich sitze ja täglich drei Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln, wo ich alle paar Sekunden von mehreren Seiten gleichzeitig mit Viren und Bakterien bombardiert werde. Es lebe der Pendlerverkehr! Da wird gnadenlos alles geteilt und verteilt. Aus diesem Grund war die Woche eher etwas träge, da der Ohrendruck und die schmerzende Nase das Denken leicht zu beeinträchtigen schien und ich daher für alles etwas länger brauchte als gewollt. Orlando und Fily sind bis jetzt vor den bösartigen Herbstbakterien verschont geblieben. Hoffen wir, dass es so bleibt! Daher, gut Abwehrsystem und bis bald. Lg Mirjam OKT. 2011

Von der Gemeinsamkeit zwischen Tattoostudios und Friseursalons Tja, was könnte das wohl sein. Ich will euch da draussen nicht lange auf die Folter spannen; die Gemeinsamkeit ist, dass einige Leute uns gerne und oft ihre Probleme, Sorgen und somit die Hintergründe zu ihren Tattoos anvertrauen, uns also so zu sagen von null auf hundert zu engsten Vertrauten befördern. Dies ist oft unterhaltsam, noch öfter ermüdend und manchmal sehr verstörend. Denn mal ernsthaft, gewisse Themen gehen uns nichts an, daher hilft es auch uns nichts, wenn wir sie zu hören bekommen. In meinem Fall belastet es mich sogar, da ich über diese Themen automatisch nachdenke und dadurch Fragen auftauchen, auf die ich eigentlich keine Antwort haben will, da sie mich gar nicht betreffen. Ich will hiermit niemandem zu nahe treten, der sich durch diesen Blog angesprochen fühlen mag, doch wir sind auch nur „Arbeiter“, die ihren Job erledigen und nicht unbedingt die vertrauten Kumpel, denen man seine Geheimnisse verrät. Dazu kommt, dass wir ja mehr als einen Kunden pro Tag haben und uns daher manchmal am Abend, wenn alle weg sind, beinahe der Kopf platzt vor lauter Geschichten. Ich kann dieses Bedürfnis nach Vertrautheit schon verstehen, denn schliesslich lässt man sich ja freiwillig von uns verletzen und sein Aussehen verändern, ohne dabei während des Vorgangs Einfluss nehmen zu können. Hier sehe ich auch wieder die Parallele zum Friseur, dort ist das ja auch so. Nun habe ich das Bedürfnis, meine (diese) Geschichte zu beenden, daher wünsche ich euch allen eine schöne Woche. Lg Mirjam 4.Okt.11

London Tattoo Convention Da ich ja schon im Frühling die Tattooconvention in Mailand besuchen durfte, war ich natürlich besonders gespannt auf den Vergleich. Doch zuerst einmal zu den Gemeinsamkeiten; in London sowie in Mailand war der Freitag der angenehmste Tag, da es am wenigsten Leute hatte und man sich in Ruhe alles ansehen konnte, ohne dabei sanft aber bestimmt weitergeschoben zu werden. Und dann kommen wir auch schon zu den Unterschieden. London schien mir, mal ganz abgesehen davon, dass das Areal um einiges grösser war, viel besser organisiert. Die Eingänge waren klar geregelt, es hatte genügend Personal zur Betreuung der anströmenden Besucher und das allerbeste war, dass das Dock in zwei Stockwerke und mehrere einzelne Abteile unterteilt ist, was die Leute um einiges besser verteilte und daher auch den Samstag angenehmer werden liess, trotz der Masse an Leuten. Auch im Allgemeinen gefiel mir die Londoner Convention äusserst gut, da die ganze Atmosphäre dank der Hafenumgebung sehr „tätowiererisch“ war. Das Starangebot war natürlich super, Tätowierer wie Shige, Jack Mosher oder das Lowrider Tattoo Studio waren anwesend, um nur mal die allerbekanntesten zu nennen. Ich erkannte auch einige Tätowierer und Studios von Italien wieder. Trotzdem gab es so viel Neues und Interessantes zu entdecken und neue Ideen für zukünftige und eigene Projekte zu sammeln. Die ganze Convention hat mir so gut gefallen und ich habe so viel gesehen, dass ich regelrecht Mühe hatte zu entscheiden, was ich in meinen Blog reinnehmen soll. Ich könnte noch seitenweise weiterschreiben, doch dies ist ja schliesslich ein Blog und kein Aufsatz. Daher: Das Essen war gut, ich hatte keinen „Overkill“ an Eindrücken (erst auf dem Flughafen) und es gab einen Stand mit hausgemachten Cookies, also durch und durch ein Erfolg! lg Mirjam 26. Sept. 11

www.thelondontattooconvention.com Neue Motive und alte Probleme Unterdessen habe ich schon einige Motive gezeichnet und finde mich langsam in die Denkweise des Tattoomotivzeichnens ein. Doch ein Punkt bringt mich noch immer/ immer wieder zum stolpern; wie weit darf ich die Grafik walten lassen und mich vom Wunsch des Kunden entfernen? Hiermit meine ich natürlich keinesfalls das Motiv an sich, sondern die Anordnung der gewünschten Elemente innerhalb des Motivs. Hierzu ein Beispiel: Kunde 1 kommt ins Studio und will fünf Sternchen mit Ornamenten dazu. Hier kann ich problemlos innerhalb der gewünschten Fläche des Motivs diese fünf Sternchen mit Dynamik, Schwung und Steigerung anordnen. Nun kommt Kunde Nr. 2, will ebenfalls fünf Sternchen mit Ornamenten, gibt aber bereits die Grösse der Sterne sowie deren Platz innerhalb des Motivs vor, Ornamente inklusive. Nur leider steckt bei dieser Vorstellung weder Dynamik noch Schwung drin. An diesem Punkt fällt es mir das eine wie das andere Mal schwer, das Richtige zu tun. Denn schliesslich wollen wir dem Kunden ein Motiv bieten, das was hergibt und gut aussieht. Doch man sollte sich nicht weiter als nötig vom Wunsch der Kunden entfernen, denn unser Motto lautet: „Alles ist möglich!“ Man muss halt nur einen Weg finden, Grafik und Kundenwunsch geschickt unter ein Dach zu bringen. Das vorhergehende Beispiel mit den Sternchen ist da noch sehr harmlos. Kompromisse beim Tattoomotiv, ist schon fast wie Politik! Vor allem in Hinsicht auf die Debattenlänge mit den Kunden und dem daraus hervorgehenden Resultat. Nur ist unser Ziel das am Ende beide Parteien zufrieden sind. Keine leichte Sache für einen Anfänger wie mich. Lg und bis nächste Woche Mirjam 21.Sept. 2011
Schnittmuster für Tattoos Langsam aber sicher habe ich mich richtig gut im Team eingelebt und wurde somit auch in die verschiedensten Arbeiten im Studio mit eingebracht. Eine davon ist die Kundenberatung, welche ich Stück für Stück von Orlando und Sabine erlernen darf. Dazu gehört das Begrüssen der Kunden, sie zu fragen, in welche Richtung ihr Tattoowunsch geht und ihnen entsprechend unsere Vorlagen, Motive und Ordner zu zeigen. Seit einiger Zeit darf ich nun auch abmessen. Das heisst, wenn das Motiv steht , zeigt mir der Kunde direkt auf seinem Körper die entsprechende Grösse und den Platz an, welchen ich mithilfe eines Filzstiftes einzeichne (keine Angst, der Filzer ist desinfiziert und wasserlöslich, ich tätowiere ja schliesslich noch nicht). Wichtig beim Abmessen ist unter Anderem die Aussenform, da man schon hier die Körperformen berücksichtigen muss und daher den Schwung/ die Laufrichtung des Motivs meistens schon bestimmen und einzeichnen kann. Zu der Aussenform wird noch die Senkrechte eingezeichnet. Die Fläche und Linien werden dann auf ein Transparentpapier übertragen. Ebenso werden besonders grosse Muttermale, Narben oder unregelmässige Hautpartien (z.B. Dehnungsstreifen), Armbeugen, Brustwarzen, sichtbare oder hervorstehende Knochen (Schulterblätter, Schlüsselbeine etc.) eingezeichnet, damit man das Motiv entsprechend anpassen kann. Zum Schluss, dies vor allem bei grösseren Projekten, wird ein Foto von der entsprechenden Körperpartie gemacht. Manchmal wird dann die Skizze direkt auf dem Foto gezeichnet, da dies für den Kunden noch anschaulicher ist als „bloss“ das Motiv. Dies ist der erste, und dazu noch ein ziemlich wichtiger Schritt in der Entstehung des gezeichneten Tattoomotivs. 
Lg Mirjam 13.Sept. 2011
Arbeitsame Anonymität Ich finde es ist wieder einmal an der Zeit, etwas über die Schule zu schreiben, vor allem, da ja nun gerade ein frisches Semester aus dem Ei der Schulzeit geschlüpft ist. Soll heissen, seit zwei Wochen sind die Sommerferien vorbei und das Herbst-/Wintersemester hat begonnen. Neues Semester, neue Gesichter, jedoch für mich dieselben Kurse wie letztes Semester. Nun war das damals für mich so, dass ich eher losen Kontakt zu meinen „Mitstreitern“ pflegte, da diese entweder etwas über meiner Generation standen oder nicht regelmässig genug kamen. Mal abgesehen von einer Ausnahme hatte ich also ein ruhiges Semester. Damit scheint es nun vorbei zu sein, denn es gibt einen Besucher, der genau die gleichen Kurse besucht wie ich und sich daher tiefst verbunden mit mir fühlt. Ich kann seine Gefühle allerdings nicht ganz teilen, denn mir geht es in erster Linie immer noch darum, so viel wie möglich von den Kursen zu profitieren, denn trotz aller Freude an dem Beruf, den ich erlernen darf, oder vielleicht gerade deswegen, sind diese Kurse doch noch ein Stück weit Arbeit für mich. Daher bin ich eher begrenzt an Smalltalk interessiert. Klar, freundlich hallo sagen und etwas austauschen ist schon gut und so, aber während der Kurse würde ich dann doch lieber etwas tun also bloss darüber (oder über etwas ganz anderes) zu reden. Ist irgendwie produktiver. Und sich immer von seinem Nachbarn anhören zu müssen, wie schwierig diese Pose doch gerade abzuzeichnen sei, ist auch nicht so toll. Daher mein Finaler Satz für diesen Bericht: Es lebe die (schweigsame) Zeichenkohle, mein bester Freund. Lg Mirjam 6.Sept. 11

Rekordhitze und Rekordkunden Letzte Woche war besonders energieverbrauchend, in erster Linie einmal wegen dem Sommer, der sich pünktlich nach Ende der Betriebsferien in voller Pracht (und vor allem in stickiger Hitze) zurückgemeldet hat und in unserem klimabeanlagten Studio für stolze 29°C sorgte. Der zweite Punkt hat indirekt auch mit unseren Ferien zu tun, denn es macht fast den Anschein, dass wir diese drei Wochen einfach jetzt nachholen müssen. Das heisst, dass wir statt den vier üblichen Schriftanfragen pro Woche nun einfach vier Schriften am Tag haben und die Besucher und ihre Begleiter uns fast die Bude einrennen, was allerdings geschäftsförderlich und daher kein Klagepunkt ist. Doch allzu seltsam ist das nicht, denn schliesslich waren jetzt doch noch alle in der Badi und haben dort den aktuellen Trend mitbekommen und wollen ihn sich vor Sommerende auch noch rasch machen lassen. Denn schliesslich ist dieser ja schon bald vorbei, da muss man schon schauen wo man bleibt. Doch auch der nächste Trend wird kommen, genauso wie vorläufig noch die nächste Schrift. 
Lg und bis bald Mirjam 30.8.11
Routine hilftUnd ausnahmsweise bezieht sich der Titel in erster Linie nicht nur aufs Zeichnen, obwohl er dort zu hundert Prozent zutrifft. Nein, heute schreibe ich von der Routine im täglichen Arbeitsleben, welche selbst nach drei Wochen Ferien nicht verloren geht. Man muss bei automatischen Handgriffen vielleicht doch kurz nachdenken, doch auch ein Unterbruch lässt sie einem nicht vergessen. Dies bedeutet nicht nur, dass das Arbeitsleben nach den Ferien mehr oder weniger am letzten Arbeitstag vor den Ferien anknüpfen kann, sondern gibt einem auch Sicherheit. Denn Routine ist Normalität. Manch einer ist von dieser Normalität gelangweilt, meint vielleicht, dass das Leben mehr bieten sollte oder wünscht sich etwas mehr „Action“. Doch wer es noch nie selbst erlebt hat, sollte mir hier glauben; in manchen Situationen wünscht man sich nichts mehr als einen herrlich normalen Arbeitstag, ganz ohne Aufregung. Denn gewisse Ereignisse braucht man einfach nicht. Eine Schöne Woche und bis bald, lg Mirjam Di.23. August

Eine seltsame WocheDiese Woche kam mir äusserst schräg rüber, da wir gleich mehrere unselbstständige Kunden hatten. Zum Beispiel brachte jemand den Partner mit um zu entscheiden, welches Motiv es dann schlussendlich werden sollte. Gut, hier könnte man sagen, dass unsere Motive einfach alle sooo toll sind, dass man sich einfach nicht entscheiden kann. Aber trotzdem, gleich die Entscheidung ganz jemand anderem zu überlassen finde ich dann doch seltsam. Noch seltsamer war die Tatsache, dass der Partner auch gleich noch den Personalienbogen ausfüllte und seine Telefonnummern angab. Nimmt mich wunder, ob am Termin die richtige Person erscheint. Einen Tag später noch so ein Fall, da übernahm der Kolleg gleich das ganze Gespräch. Bei solchen Leuten stellt sich mir einfach die Frage: Sollte da ein Tattoo drauf? Denn was wenn der Partner oder Kolleg was aushandelt, was man nicht will? Klar, selbst schuld, man hätte ja etwas sagen können, doch vielleicht ist man ja schüchtern, und da kommt die Frage gleich wieder: Gleich ein Tattoo? Denn meiner Meinung nach sollte eine gewisse Entschlossenheit vorhanden sein, denn was drauf ist, ist nun mal drauf, so abgedroschen und „logisch“ der Satz auch klingen mag, und nicht jeder findet Tattoos toll, es kann einem also auch mal Kritik oder Unverständnis entgegenkommen und gerade da fühlt man sich glaube ich wohler, wenn man aus eigener Überzeugung dahinter stehen kann. Ich wünsche euch allen schöne Sommerferien und keine Sonnenbrände auf den neuen und alten Tattoos. Lg Mirjam 20.Juli

Eine kurze Woche Diese Woche dauerte für uns, dank Pläne und Unternehmungen des Chefpersonals, nur knapp dreieinhalb Tage. Schoggijob, denkt ihr jetzt vielleicht. Nun, die einzige Schoggi daran ist die, welche sich sanft um die suuuper Mandeln der Confiserie Brändli schmiegt, die ich soeben komplett und gnadenlos vernascht habe. Den Rest der Zeit verbrachte ich, mal abgesehen vom Samstag, wo ich meinen Geburtstag nachfeiern durfte, übend, was wiederum für mich gar nicht tragisch war. Denn was gibt es schöneres als einen freien Tag zu Hause am Schreibtisch zu verbringen und sich am Abend zufrieden einen Film anzuschauen mit dem Wissen, dass der Tag sinnvoll genutzt wurde. Und als Beweis dafür kann man sich immer wieder die Übungen anschauen, die von den vollgehängten Schranktüren baumeln. Nun, vielleicht ist es ja doch ein Schoggijob… ein Job, wo man Schoggi essen kann! Mein Magen stimmt dieser Theorie jedenfalls zu. Nächste Woche mehr. Lg Mirjam 12. Juni 11

Bewahrt Haltung, Leute! Und zwar nicht nur im Angesicht des Gegners, der einem wild knurrend aus seinem plüschig weichen weiss-schwarzen Gesicht anstarrt und jeden Moment deine Nudelsuppe klauen könnte („Kung Fu Panda 2“ ist übrigens super), sondern vor allem beim und während dem Zeichnen! Die Anleitung, welche ich von Orlando bekommen habe ist zwar für Büroleute gedacht, sprich auf die Computertastatur zugeschnitten, lässt sich aber problemlos auch für den Zeichentisch anwenden. Zum Beispiel, dass ¾ des Oberschenkels auf der Sitzfläche des Stuhls aufliegen sollten, das Becken leicht nach vorne gekippt für eine bessere Durchblutung der Beine und die Arme sowie Beine mindestens einen 90° Winkel einnehmen sollten, ebenfalls wegen der Durchblutung. Im Studio habe ich den Vorteil, dass ich eine verstellbare Zeichentischplatte habe, bei welcher sich der Rücken automatisch etwas mehr strecken muss, wenn sie schräg oder sogar ganz steil gestellt ist. Zu Hause auf meinem „normalen“ Schreibtisch kommt es vor, dass ich nach längerem konzentriertem Zeichnen plötzlich merke, in was für einer unmöglich verkrümmten Haltung ich eigentlich am Tisch sitze. Also, immer schön Brust raus und Bauch einziehen, und bis nächste Woche. Lg Mirjam 5.Juli 11
Von Drachen Diese Woche war etwas ganz Spezielles für mich; Orlando zeigte mir die ersten Schritte zum Drachen zeichnen. Ich habe natürlich privat schon öfters Drachen gezeichnet, aber das war vor dem Anfang von Orlandos Tribal- und Systemschule. Damals schon habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich zum Beispiel die Beine machen soll… kam allerdings nie auf die Idee, ein Beispiel in der Natur zu suchen. Denn eine gute Zeichnung ist glaubhaft, und am glaubhaftesten ist die existierende Natur. Daher gilt auch für Fabelwesen wie Drachen, diese „glaubhaft“ zu konstruieren, indem man zum Beispiel die Beinkonstruktion von den Katzen oder Pferden oder auch von Menschen übernimmt und auf die Zeichnung überträgt. Zu all den Überlegungen im Vorfeld folgen dann natürlich die üblichen zu beachtenden Kleinigkeiten wie Aussenform, gleichmässige Abstände zwischen den Körperschlaufen und Beinen, Dynamik, Steigerung, Haltung des Tiers etc… Ich weiss, so ein Würmchen mit vier abgespreizten Beinen sieht ja soo simpel aus. Wohlgemerkt, ich bin erst bei Schritt eins, dem Skizzieren. Das Ausarbeiten kommt noch, genauso wie das Wasser, die Felsen oder Flammen, die ja oft mit so einem Schlänglein einhergehen.

Auf eine aufregende Sommerzeit! Lg Mirjam 28.Juni 11
Art 42-2011 Basel Vernissage am Dienstag: Wie zu erwarten viele, zum Teil sehr lustige und selbstdarstellende Menschen, aber vor allem sehr vornehm gekleidete Leute, die sich gegenseitig mit Telefon am Ohr und Kennerblick im Gesicht durch die Gänge schoben, begegnetem mir in den Gängen. Nach einer halben Stunde merkte ich bereits, wie meine Konzentration schwand, nach einer Stunde schliesslich war mein Bildspeicher bereits voll und meldete Durchzug. Dabei waren wir erst mal kurz durch den ersten Stock gestreift und marschierten bereits Richtung Erdgeschoss. Von der zweiten Stunde ist mir nur ein Bild geblieben, welches aus ganz vielen kleinen Päckchen bestand, wie eine Collage aus winzigen, mit asiatischem Zeitungspapier verpackten Päckchen inklusive zwei Packschnüren pro Minipacket – und sie waren nicht einmal rechteckig! Ein beeindruckender Aufwand. Weitere Kunsteindrücke werde ich nach unserem zweiten Besuch berichten, der am Donnerstag folgen wird. Ausstellungsbesuch am Donnerstag: Bereits zur Türöffnung um elf Uhr waren wir dort. Eine beachtliche Menge an Besuchern wartete bereits vor den Toren und ich befürchtete schon, dass die Ausstellung wieder genauso voll sein würde wie am Dienstag. Doch sobald wir den ersten Stock erreicht hatten, verloren sich die Leute in den Gängen. Wir waren erstaunt, wie viel wir doch schon am Dienstag gesehen hatten, und wandten uns bald einem Mahl in der VIP Lounge zu, auf überraschend bequemen Designersesseln wohlgemerkt. Danach ging es an die „Art Unlimited“ eine Halle weiter, wo zeitgenössische Kunst gezeigt wurde. Der Eindruck dort war eher schräg… Doch eine Abteilung mit Portraits von dunkelhäutigen, eher ernst dreinblickenden Menschen hat mir sehr gut gefallen. Um ca. 13 Uhr, pünktlich nach dem Mittagessen, kam der grosse Andrang, und ich verzog mich dann bald in die Kunstschule.

Bis nächste Woche Lg Mirjam 21.Juni 11
Greenfield ´11 Das Wort „Openair“ steht für Sommer, Sonne und Sonnenbrand und viel gute Musik. Letzte Woche am Greenfield konnte man von allem etwas abbekommen und von letzterem ganz, ganz viel! Ebenso ist ein Openair ein Mekka der Tattooträger. Der erste Tag war allerdings bewölkt und recht frisch und der Alkoholpegel war (noch) nicht hoch genug, um trotzdem halbnackt rum zu rennen, daher war ich etwas enttäuscht, hoffte ich doch auf Nahrung für diesen Blog. Der zweite Tag startete mit Sonne und dementsprechend wenig Klamotten. Doch meine Begeisterung schwand rasch und schon bald wünschte ich mir wieder kühleres Wetter (was gegen Abend und am nächsten Tag auch kam), da zwischen all den zu erwartenden Schriften und sehr stark vertretenen Tribals kaum mal eine saubere Arbeit zu sehen war. Vielleicht stand ich auch einfach am falschen Ort, vielleicht waren die Leute mit den guten Tattoos nicht bei den Bühnen sondern an den Bars… Auf jeden Fall war das Openair rein tattootechnisch nichts Grossartiges für mich. Doch ein knallgelbes Quietscheentchen am Knöchel einer Frau hat mir auch auf den zweiten Blick sehr gut gefallen. Rein musikalisch gesehen war die Band „Social Distortion“ für mich ein absolutes Highlight, trotz des am Anfang zu leise eingestellten Gesangs. Es war einfach nur schön der Band zuzuhören, denn sie brachten etwas Rock and Roll Stimmung ins Openair. Und Danko Jones war ja schliesslich nicht anwesend, daher waren sie für mich DIE Stars des Festivals.

Lg Mirjam 15.Juni 2011
Garage Sale in Zürich Ein Ausstellungsraum, niederländische und schweizer Künstler als Aussteller; klingt klein und fein, war es auch. Und trotzdem hat es bei mir eingeschlagen wie eine Bombe aus Farben, Formen und Kompositionen. Denn die Ausstellung war auf einem sehr, sehr hohen Niveau und gerade die Grafiker und Comiczeichner unter ihnen überzeugten mit sehr komplexen Bildern, Comiccover oder auch Plakaten. Doch gerade ein eher einfach gehaltenes Bild faszinierte mich, darauf war ein Tintenfisch in einem Einmachglas zu sehen. Besonders interessant für mich waren natürlich die Pin Up’s und Bilder von Angelique Houtkamp, einer Tätowiererin aus Holland, mit welcher ich kurz reden und sie nach ihrem Weg zur Künstlerin befragen durfte. Sie selbst hat nie eine Kunstschule besucht, sondern einfach gerne und oft gezeichnet und für sich geübt. Auf die Frage, wie sie dann ihr künstlerisches Wissen und Können erlangt habe meinte sie, dass sie sehr viele Tattoomagazine angeschaut habe und dann versucht hat herauszufinden, welche Motive und Tattoos ihr warum gefallen. Dies tat sie indem sie die Motive, Schattierungsarten und Stile nachzeichnete und so lange übte, bis sie den Dreh raus hatte und wusste, was wieso gut aussieht. Weiter meinte sie, dass das Zeichnerische vor allem bei Beginn ihrer Tattookarriere einen Aufschwung erhielt, da sie da ein genaues Ziel vor Augen hatte und mit viel Elan darauf zuarbeiten konnte. Klein und fein, um die Anfangsworte nochmals aufzunehmen, doch ich wahr insgeheim froh, dass die Ausstellung nicht grösser gewesen war, denn „nur“ schon bei dieser Grösse war ich nach einer Stunde bereits randgefüllt mit Eindrücken. Lg Mirjam 7. Juni 2011


Schriften und andere Trends Momentan sehr angesagt und top im Trend: Schriften. Obwohl uns das eigentlich niemand glaubt, vor allem die nicht, die gerne eine Schrift haben möchten. Doch braucht man gerade jetzt, im Sommer, wo die Leggings und Pullover den Hot Pants und Trägertops weichen, sich nur mal etwas umzuschauen. Schriften, soweit das Auge reicht. Auf Handgelenken, Hälse, Schultern… Dem Trend sind keine Grenzen gesetzt, auch sprachlich gesehen. Da Deutsch ja eh totally uncool ist, weil es jeder lesen kann, greift man halt auf andere Sprachen zurück. Englisch ist da sehr beliebt, der Trend im Trend sozusagen. Logisch, den Sprüche wie „Life is Beautiful“ oder „Born this Way“ klingen auf Deutsch ja schon etwas abgedroschen. Auch sehr beliebt sind östliche Schriften wie Thai oder Arabisch, oder natürlich den Evergreen; die chinesischen Schriftzeichen. Egal, Hauptsache fremd, sorry, ich meinte natürlich „speziell“. Die elbische Schrift (Herr der Ringe sei Dank)gehört da schon eher zu den Exoten, ist aber genauso eine Schrift, ergo, Trend. Wenn wir das versuchen den Kunden klar zu machen geht die Party los. Denn Mann oder Frau gehört ja nicht zu „denen“, macht es nur für sich (für wen den sonst, fragt man sich da) oder glaubt nicht, dass der Trend vorbei geht und die Schrift dann halt immer noch da ist. Man sehe die Modetrends, die wechseln jeden Sommer. Doch das Tattoo lässt sich so schwer wegwerfen… Klar, man kann sich ja einfach den nächsten Trend stechen lassen, irgendwann sind die Schriften dann schon wieder „in“. Die wiederholen sich ja, die Trends. Bis nächste Woche Lg Mirjam 31.5.2011
Vom Zusammenhang von Mathematik und ZeichnenKürzlich hörte ich von Orlando den Satz: „Du musst mehr üben, immer und immer wieder Wiederholungen machen, mindestens hundert müssen es sein.“ Irgendwie kam mir dieser Satz bekannt vor. Es dauerte auch nicht lange bis mir einfiel, woher ich ihn kannte. Mein Mathematiklehrer an der Kantonsschule hatte das schon gesagt und dies meistens, wenn er gerade einen Stoss neuer Aufgabenblätter verteilte. Üben, immer und immer wieder. Ob nun in Mathematik oder im Zeichnen; die Aufgaben beziehungsweise das Motiv mag jedes Mal ein Anderes sein, auch der Lösungsweg mag verschieden sein, doch die Art und Weise des Angehens bleibt gleich. Die Konstruktion, die Vorgehensweise, den Aufbau, den „Weganfang“… muss man „im Schlaf“ können. Und wie das nun so, ist führt der Weg dorthin übers Üben. Wiederholungen machen, bis die Vorgehensweise zum Automatismus wird. Dass sich beim dividieren und multiplizieren einer negativen Zahl bei einer Ungleichung der Sinn der Ungleichung ändert, sprich, man muss das Ungleichungszeichen umdrehen, sollte man ebenso „automatisch“ wissen wie die Merkmale eines guten Tribals und die Vorgehensweise beim Zeichnen nach Kundenvorlage. Aussenform, Elementenerkennung, Anwendung. Klingt doch
 ganz simpel, kann doch eigentlich jeder. Genau wie Gleichungen lösen. Bis nächste Woche. Lg Mirjam 24.5.2011
Ein Hoch auf die Schule Zweimal die Woche darf ich die Schule für Gestaltung Basel besuchen. Dort gehe ich momentanes und auch nächstes Semester in die Kurse Gegenstandszeichnen, Farbe Elementar und Zeichnen der menschlichen Figur. Diese Kurse sind öffentlich, das heisst jeder, wirklich jeder darf den Kurs besuchen, egal ob dieser Jemand nun überhaupt nicht gerne zeichnet und einfach nur neugierig ist oder einfach nur seine bereits vorhandenen Fähigkeiten auffrischen möchte. Nun ist das ja so mit der menschlichen Rasse, dass sobald etwas „freiwillig“ ist, sprich kein „Anwesenheitszwang“ besteht, man gar nicht, nur das erste Mal, ab und zu, vielleicht, nur bei Regenwetter oder grundsätzlich eine Stunde zu spät kommt (und das obwohl man den ganzen Kurs ja schon bezahlt hat!). Die prinzipiellen „zu spät Kommer“ haben leider die Angewohnheit, durch lautes Begrüssen des Lehrers, indiskretes Aufstellen der Staffelei und versehentliches Verschieben fremder Staffeleien auf sich aufmerksam zu machen. Diese Aufmerksamkeit geht dann leider an den Zeichnungen und Bildern der anderen Teilnehmern ab, und nachdem die Staffelei einmal verschoben wurde, kriegt man gerade beim Würfel abzeichnen einfach diesen Winkel nicht mehr hin…! Ein weiteres Ritual ist auch, den Lehrer sofort in Beschlag zu nehmen, die anderen Teilnehmer hatten ihn ja schon eine ganze Stunde nur für sich. Das Leben ist ja so ungerecht! Zudem scheinen die Kursbesucher sehr gefragte Leute zu sein, vor allem während der Kurse, was das Natel an Lautstärke hergibt. Lautlostasten sind bekanntlich sehr unkreativ und etwas Beschallung hat noch keinem angehenden Weltkünstler geschadet. Bleibt noch zu sagen, dass ich sehr gerne in die Schule gehe, dort sehr viel lernen und profitieren kann und die Lehrer mein Interesse auch bemerkt haben und darauf reagieren. Lg Mirjam 17. Mai 2011

Fünf Minuten vor der Zeit ist Pünktlichkeit Dies ist ein sehr schönes Sprichwort und beschreibt treffend, nun, zumindest einen Teil der schweizer Gesellschaft. Ein Klischee, genauso wie wir alle die ganze Zeit Schoggi und Fondue essen (wobei der Teil mit der Schoggi bei mir sehr wohl zutrifft) und alle reich sind, was wir, je nach Blickwinkel, ja auch wirklich sind. Einige unserer Kunden scheinen dieses Sprichwort auch zu kennen und sehr ernst zu nehmen, denn täglich bimmelt es je nach Nervositätsgrad und Wetterlage um fünf, zehn oder sogar zwanzig vor eins. Zur allgemeinen Information, wir öffnen um punkt dreizehn Uhr. Nun haben wir die Angewohnheit, vor dreizehn Uhr nicht zu öffnen, da wir mitten in den Vorbereitungen des Studios, der Zeichnungen oder des Verzehrens von unserer täglichen Ration Schoggi stecken. Die einen Kunden werfen in so einer Situation wohl einen Blick auf die Uhr, merken, dass es noch zu früh ist und gehen noch einen Kaffee trinken, das Auto doch noch in die weisse Zone stellen, anstatt es in der Abschleppzone gegenüber der Polizei zu belassen… oder stehen einfach nur da und probieren es um zwei Minuten vor eins nochmal. Die anderen, die wohl keine Uhr besitzen, klingel wieder, diesmal etwas ungeduldiger und länger, bis wir gezwungen sind, die gerade im Mund versenkte Lindorkugel hinunter zu würgen, an die Tür zu gehen und die Kundschaft noch zu vertrösten. Der bestellte Schmerz rennt ja nicht davon. Ich persönlich gehöre auch zu der Sorte Mensch, die lieber eine Viertelstunde zu früh als zwei Minuten zu spät sind, doch sobald eine Türglocke im Spiel ist, kann die Sache für die Vorbereitenden, Zeichnenden und Essenden etwas mühsam werden. Daher, bei uns reich punkt dreizehn Uhr völlig aus. Lg Mirjam Internetvorlagen – Top oder Flop? Oft begegnen mir beim Zeichnen von Kundenmotiven Vorlagen, welche die Kunden aus dem Internet, manchmal sogar direkt von so genannten „Tattoo-Motivseiten“, haben. Frisch ausgedruckt liegen die dann vor mir und es stellt sich mir die alt bekannte Frage: Wie gut ist die Vorlage? Wie viel kann ich direkt daraus entnehmen und was sollte ich „neu“ zeichnen? Vor allem; was hat sich der „Macher“ dieses Motives bloss gedacht? Denn nicht selten steckt sehr wohl ein System hinter den Motiven, welches oft nur nicht zu Ende oder schlecht ausgeführt ist. Das Problem ist nur; ich sehe es nicht, weiss auch oft nicht genau, auf was ich schauen soll, lasse mich allzu oft von der schlampigen Ausführung ablenken. Da braucht es mehr als nur einen Hinweis von Orlando, bis ich dann schliesslich und endlich dahinter komme. Es gibt zwei Arten von Internetvorlagen: Diejenigen, von welchen man die Komposition und die dargestellten Objekte direkt übernehmen kann und sie „nur“ noch verfeinern und präzisieren, sprich „tätowierbar“ machen muss. Und dann gibt es noch die anderen, die einfach nur… unbrauchbar sind und komplett neu gestaltet werden müssen, dabei aber nicht ihren Charakter, „das was der Kunde will“, verlieren dürfen. Denn die Wünsche und Geschmäcker der Kunden sollten getroffen werden, das zeichnet einen guten und vor allem erfahrenen Tätowierer schliesslich aus. Denn schlussendlich sind auch wir Dienstleister, die Aufträge auszuführen und abzuliefern haben. Lg Mirjam 4.5.11
Freehand – keine faulen Eier! Diese Woche war für viele von uns sehr kurz, nur wir arme Leutchen vom Tattoo Studio Orlando „mussten“ samstags noch arbeiten. Karfreitag war allerdings auch für uns ein Feiertag. Der erholsame und natürlich künstlerisch produktive Tag war schnell vorbei und auf gings in den Ostersamstag. An diesem Tag durfte ich Orlando bei einem Freehandtattoo zuschauen. Für alle, denen dieser Begriff nichts sagt: hierbei handelt es sich um eine Tätowierung, die mit Filzstiften direkt auf die Haut aufgezeichnet wird, ohne eine vorgezeichnete Schablone, ein so genanntes Stencil, aufzutragen. Eine Suche nach dem heiligen Gral? Oder der Jahreszeit angepasst; nach dem grossen Schokoosterhasen? Auf gar keinen Fall! Eine Tätowierung dieser Art ist nur mit enormer Erfahrung ausführbar, denn man sollte (!) genau wissen, wie das zu tätowierende Objekt zeichnerisch umsetzbar ist. Für mich immer wieder ein tief beeindruckendes Erlebnis, denn so ein Stift ist ja kein Millimeterwerkzeug und von der Zeichnung auf der Haut zu den fertig tätowierten Aussenlinien besteht, im wahrsten Sinne des Wortes, ein weiter Weg. Somit wünsche ich nachträglich ein frohes Osterfest und ein fröhliches Essen der letzten überlebenden Schoggihasen. Lg Mirjam Mittwoch 27.April 2011

Schrubben und SprayenAls ich letzten Mittwoch morgen wie jede Woche das Studio putzte und meinen Gedanken freien Lauf liess, fiel mir plötzlich ein, dass ich zwar die Säuberung des Studios schon oft erwähnt, aber noch nie beschrieben habe, was ich da eigentlich genau mache. Nun, zuallererst wird gründlich abgestaubt, danach werden die Böden staubgesaugt und mit einem speziellen Bodendesinfektionsmittel feucht aufgenommen. Darauf folgen die eher berufsspeziefischen Reinigungsarbeiten, nämlich das Leeren der Behälter mit den benutzten Nadeln, welche nach dem Gebrauch in eine Desinfektionslösung eingelegt werden. Diese Lösung wird jede Woche komplett erneuert und das Gefäss gereinigt und desinfiziert. Dasselbe geschieht mit der Lösung im Ultraschall. Ebenfalls werden die Farbkappenhalter gründlich geschrubbt. Dies benötigt besonders viel Scheuerpulver, da die Tattoofarbe, einmal angetrocknet, auch auf flachen Oberflächen extrem gut haftet. Zum Schluss kommt das Goldstück, das Sahnehäubchen auf dem Schokoeisbecher, die Kirsche auf dem Sahnehäubchen auf der Schwarzwäldertorte; das Klo. Wie man das reinigt, brauche ich wohl niemandem zu erklären. Zum Schluss nochmals alles mit Desinfektionsspray eingerieben, und blitzen tut das Klo im Studio. Einige von euch mögen nun denken, dass mich diese Arbeit auf gut Schweizerdeutsch „aa….“, stört. Nun, überhaupt nicht! Und dies schreibe ich nicht nur weil ich weiss dass Orlando diesen Blog liest. Es ist eine Arbeit die wie Nadel und Farbe dazugehört und ich kann dabei grossartig über Motive, Kunden und Blogs nachdenken. Dazu noch einige fetzige Punkrocksongs und ab und zu sogar ein Lied von Danko Jones, und schon ist die Arbeit erledigt.

Bis nächste Woche. Lg Mirjam Di. 19. April 2011
Vom lernen und zuschauen Es heisst ja so schon: „Learning by doing“. Doch manchmal braucht es zuerst etwas „watching“, bevor man es „doing“ kann. Will heissen, dass ich extrem viel über die Technik und die Gestaltung eines Motives lernen kann, wenn Orlando ein Beispiel vorzeichnet. So bekomme ich auch einen besseren Einblick in sein „Mastermind of Tattoo Designs“, was mit Worten manchmal weder für mich noch für ihn einfach auszudrücken ist. Denn wo ich auf einer Kundenvorlage erst mal nur zusammenhangslose Kringel sehe, braucht er nur einen kurzen Blick darauf zu werfen und weiss bereits, wie man es als Motiv gestalten könnte… und gleich noch zehn Varianten dazu. Die Macht der Erfahrung. Die siegreiche Waffe im Krieg der Tattoowelten. Ich fühle mich geehrt, das Rezept dafür Tag für Tag etwas mehr vermittelt bekommen zu dürfen. Bis nächste Woche. lg Mirjam 12. April 2011

Von Hygiene und Kundenwünschen Letzten Montag und Dienstag durfte ich vom Studio aus an dem vom VST (Verband schweizerischer Berufstätowierer) organisiertem Hygienekurs teilnehmen. Neben einem sehr breiten Angebot von Fachwissen in Punkto Hygiene, Mikroorganismen und auch Erste Hilfe waren auch andere… interessante Persönlichkeiten aus der Tattoo-, Pirecing- und Permanent Make Up Branche anwesend. Erfreut hat mich, wie vielseitig der Kurs war, gerade der Erste Hilfe Teil wurde sehr abwechslungsreich gestaltet. An diesen zwei Tagen gibt es lediglich auszusetzen, dass sie für so viel Wissenswertes etwas kurz waren. Im Hygieneteil kam unter Anderem das Thema „Schürzen tragen zum Tätowieren“ auf. Ich berichtete voller Stolz von unseren blauen Schürzchen… und erntete, mit wenigen Ausnahmen, komische Blicke. Hygiene scheint in den Augen einiger Teilnehmer ein recht dehnbarer Begriff zu sein. Später sprach mich noch eine andere Teilnehmerin an, die unser Studio kennt und meinte, ob ich es nicht hart fände, dass die Lehre vier Jahre dauere. Die beste Antwort gab mir ein Motiv, welches ich zu einem späteren Zeitpunkt dieser Woche zeichnete; zwei Herzen und drei Sterne in einer Reihe untereinander. Klingt simpel, doch ich brauchte lange und viel Hilfe dafür, den Entwurf genau nach der Vorlage der Kundin zu zeichnen. Denn die wahre Schwierigkeit an unserem Beruf ist, das zu Zeichnen, was die Kunden sich vorstellen und unser Handwerk ihren Wünschen anzupassen. Dies braucht meiner Meinung nach mehr als vier Jahre Erfahrung. Lg Mirjam Di. 5. April
Der Koi Letzte Woche durfte ich einen Koi im Wasser zeichnen. Dies war eine wahre Herausforderung, denn das Motiv enthält so ziemlich alles, was ich bisher gelernt habe und dazu kam, dass dies der erste Koi meines Lebens war. Alles begann mit der ganz groben Skizze, wo man die Position des Fisches, den Verlauf der Wasserströmung und der Wellen aufeinander abstimmt und darauf achtet, dass das Gesamtbild ebenfalls korrekt ist. Danach folgte die genaue Proportionenbestimmung des Fisches, gefolgt von der Einteilung der Flossen. Dann waren die Wellen an der Reihe. Nachdem gewissen Schwierigkeiten mit der Einteilungsart der Wellen und Flossen hinter mir lagen, kopierte ich die ganze Geschichte und versuchte mich an der Schuppeneinteilung auf der Kopie, welche ich nach der Vollendung auf das Original übertrug. Nachdem ich die Konturen mit Filzstift und mithilfe des Leuchttisches auf ein stabileres Blatt übertragen hatte, folgte das Schattieren und Kolorieren. Danach die Besprechung mit Orlando, welcher etwas mehr System in das Bild brachte… Was für mich hiess; nochmals von vorne anfangen. Generell kann man sagen, dass jedes Tattoomotiv ein System braucht, welches sich durch die gesamte Zeichnung durchzieht. Zum Beispiel, dass alle Flossen gleich aufgebaut und schattiert sind, dass alle Wellen ebenfalls auf die gleiche Art gezeichnet sind und so weiter. Regelmässigkeit und System sind das A und O der Motive. Alles in allem, dieses Motiv war eine grosse Lehre für mich, und; der Koi ist rot! Ganz toll, wirklich. Lg Mirjam Mittwoch 30.März 2011

FasnachtslaternenIch hatte die Gelegenheit Orlando beim Malen einer Laterne für die Basler Fasnacht zu assistieren. Ich habe Schriften hintermalt ( das heisst, die Innenseite bemalt...) und beim Lackieren geholfen. Nun ist die Laterne seit letzten Donnerstag fertig; frisch lackiert und schön glänzend. Dies hatte allerdings seinen Preis, nämlich einige Stunden der Inhalation von herrlichen Dämpfen, worauf ein sehr müder Nachmittag und darauf einen sehr tiefen und gesunden Schlaf folgten. Dies wurde allerdings wieder zehnmal wettgemacht und vergessen, als ich die vielen Laternen auf dem Münsterplatz am Dienstag bewundern durfte. Da gab es von ganz einfachen über formbetonten bis zu sehr aufwendig bemalten Laternen. Diese alle auf einem Haufen zu sehen war ein Eindruck für sich, man konnte sich kaum satt sehen. Begleitet wurde der gesamte Rundgang von verschiedenem Fasnachtsgepfeiffe. Wie ich von Orlando lernte, nennt man diese Pfeiffeninstrumente auch „Glasschneider“. Ein sehr passender Begriff, finde ich. Abgerundet wurde die Besichtigung durch den Laternenmaler Apéro, an dem ich teilnehmen durfte und so die Gelegenheit hatte, einmal einige der anderen Maler zu Gesicht zu bekommen. Lg Mirjam Freitag 18. März 2011

Zwei Wochen in einem flüchtigen Blick Die zwei Wochen Aufenthalt von Louis, Gasttätowierer aus England, vergingen wie im Fluge. Sie waren eine wertvolle Erfahrung für mich, da ich am eigenen Leibe miterleben durfte, wie ein Profi aus einem anderen Land arbeitet. Er liess mich ihm bereitwillig über die Schultern schauen und beantwortete mit viel Geduld jede meiner Fragen. So erhielt ich trotz der kurzen Zeit einen Einblick in seine vielseitige Arbeit. Besonders beeindruckt hat mich sein Arbeitstempo und vor allem seine Arbeitseinstellung. Er lebt seinen Beruf von A bis Z und zeigt dies durch einen enormen Elan und viel Fleiss. Nun, da wir im Studio Orlando richtige und anständige Schweizer sind und wir uns schon während dieser zwei Wochen aus Rücksicht auf unseren englischen Gast untereinander NUR in Englisch unterhalten hatten (im Fall!), werde ich diesen Text ebenfalls ins Englische übersetzen. Bleibt nur zu hoffen, dass mein ehemaliger Englischlehrer diesen Text nie zu Gesicht bekommt. Zum Schluss: Auf wiedersehen Louis, bis nächstes Jahr! Lg Mirjam 8. März 2011
Two weeks in a glimpse The two weeks of the English guest tattooist Louis stay just spun away. For me, they‘ve been a very precious experience because I was allowed to witness how a professional from another country works, and that on my own body. He willingly allowed me to take a look over his shoulder and answered every of my questions patiently. So I was able to gain insight in his versatile work, despite of the short time we had. What especially impressed me was his working speed and particularly his work attitude. He lives his profession from A to Z and represents this by an enormous verve and a lot of effort. So, given that we in Orlando’s Tattoo Studio are true and decent Swiss peolpe and that, out of thoughtfulness to our Englisch guest, we talked even amomg each other only in Englisch (NOT!) during these two weeks, I’m going to translate this text into English, too. I can only hope that my former English teacher will never ever have the opportunity to read this text. Finally: Good bye Louis, see you next year. Hugs, Mirjam 
Der Lehrling und die Laterne Letzte Woche durfte ich mit Orlando mit in die Kaserne Basel, um seine Laterne für die Basler Fasnacht zu bemalen. Bekanntlich sollte man an jedem neuen Ort einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dies setzte ich sogleich in die Tat um, indem ich in den ersten fünf Minuten, die ich dort war dafür sorgte, dass ein Glas mit blauer Farbe regelrecht auf dem Boden explodierte. Darauf folgte sogleich die inoffizielle Lieblingsbeschäftigung eines jeden Lehrlings: Das Putzen! Scherben bringen Glück, daher durfte ich dank meiner Tat auch gleich die Farbe einer kleinen, noch schneeweissen Laterne bestimmen. Sie hatte nämlich einige blaue Spritzer abbekommen. Zum Glück ist der Auftraggeber FCB Fan. Lg und bis bald, Mirjam 2. März 2011

Das liebe Zeichnen Der wichtigste Bestandteil meines ersten Lehrjahres ist definitiv das Zeichnen. Manche von Euch mögen vielleicht denken, dass dies nicht so wichtig sei oder bereits vorhanden sein sollte, denn schliesslich heisst es ja „Tattoolehre“ und nicht „Zeichnungslehre“. Nun, es stimmt, dass ich schulisch und auch privat gewisse Grundkenntnisse bereits erlangt und viel praktiziert habe, doch dies ist in keinster Weise mit meinen jetzigen Aufgaben vergleichbar. Ich musste meine künstlerische Uhr zurück auf null stellen und alles nochmals neu „erlernen“, angefangen bei der Minenhärte der Bleistifte zum Skizzieren bis zu der Art des Skizzierens selbst und wie ich überhaupt an den Auftrag rangehe. Denn da ich rein praktisch kein Repertoire habe, ist für mich jedes Motiv wie eine obengenannte „Nullstellung“; Bei jedem neuen Motiv gilt es, zuerst zu forschen und recherchieren, das Objekt zu verstehen, gefolgt vom Skizzieren verschiedener Varianten unter Berücksichtigung der Kundenwünsche. Die richtige Balance zwischen Kundenwunsch/Vorlage, grafischer Korrektheit und der so genannten „Tätowierbarkeit“ zu finden ist als Anfänger extrem schwer und hat mich schon oft die Haare raufen lassen. Die Schule, die ich besuchen darf und die tatkräftige Unterstützung von Orlandos Seite helfen mir sehr bei diesem Prozess, doch es ist bestimmt nicht einfach. Daher: Vier Jahre Lehre sind super, die Schule ist absolut nötig und mein Ziel ist klar. Bis bald, Mirjam 22.3 2011
Vom Motivzombie und anderen ConventionbesuchernDieses Wochenende hatte ich das Privileg, die Tattooconvention in Mailand zu besuchen. Am Freitag um 17:00 kamen wir, Belinda und Steff vom „The Tattooed Arm“ Studio in Kriens und meine Wenigkeit auf dem Gelände der Convention an und stürzten uns voller Energie ins Getümmel. Diese hielt bei mir wegen der dreistündigen Anfahrt und dem allgemeinen Ansturm an Farben, Formen und Eindrücken nicht besonders lange an. Nach zwei Stunden bekam ich einen regelrechten Overkill – und wurde zum selbsternannten Motivzombie: alle Tattoos und Motive verwandelten sich vor meinen Augen in einen wunderschönen, herrlich bunten Strudel oder zogen einfach nur an mir vorbei. Nachdem wir schliesslich unseren Gesamtrundgang beendet hatten gings ab ins Hotel. Nach einer Stärkung am absolut tollen Frühstücksbuffet am nächsten Morgen gings wieder ab an die Convention und der Tag wurde für mich ein voller Erfolg. Trotz der immensen Menge an Besuchern hatte ich die Gelegenheit, die am Vortag übergangenen Künstler nochmals aufzusuchen, einige Skizzenbücher zu studieren und einigen Tätowierern etwas über die Schultern zu schauen, wie zum Beispiel den Tätowierern des „East Tattoo“ Studios oder auch Horiken, der ohne Maschine tätowierte. Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass ich ein super Wochenende hatte, von dessen Eindrücken und Erlebnissen ich noch lange zehren kann und werde. Mirjam 15. 2. 2011
 

Monatsrückblick eines LehrlingsSchon ist mein erster Monat als frischgebackene Lehrtochter vorbei; 1/48 von meiner gesamten Lehrzeit ist geschafft, und man fühlt sich bereits voll und ganz mit dabei. Falls dieses Gefühl mal unberechtigt Überhand nimmt, ist zum Glück Orlando zur Stelle, der mich immer wieder auf den Boden der Realität zurückholt. Die Zeit im Studio vergeht rasend schnell und die Tage sind gespickt mit der Entwicklung meiner zeichnerischen Fähigkeiten auf dem Papier sowie dem Besuchen von Kunstkursen, dem Assistieren und Beobachten von Orlando bei der Arbeit und sehr, sehr, sehr vielen verschiedenen Eindrücken von, über und mit Kunden und deren Wünschen. Manchmal weiss ich kaum noch wohin mit all den Informationen und Bildern, die sich tagtäglich ansammeln. Da hilft es, nach Hause zu gehen und gleich weiter zu zeichnen. Ab und zu erkundigt sich auch die liebe Verwandtschaft nach meinem Lehrprogramm, und da bekomme ich oft Sätze zu hören wie:“Was, du bist immer noch am Tribals zeichnen? Wann stichst du denn endlich??“. Nun, in solchen Fällen greife ich auf die Grundsätze von Orlandos Tribalschule zurück und versuche die Zusammenhänge zwischen Tribals und Tattoomotiven im Allgemeinen zu erklären. Doch sobald ich Begriffe wie „Dynamik“, „Steigerung“ oder „goldener Schnitt“ erwähne, wendet sich die allgemeine Aufmerksamkeit wieder dem Fernseher/Zeitung zu. Das ist auch ganz in Ordnung so, denn schliesslich bin ich der Lehrling. Zu der zweiten Frage bleibt mir nur zu sagen, dass ich froh darüber bin, dass ich erst zeichnen lernen darf bevor ich irgendetwas am Menschen mache. Daher: auf viele weitere Stunden von Orlandos Tribalschule! Mirjam 
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